Ravenna wurde einige Jahrhunderte nach Caesar zu einer neuen römischen Metropole und besticht heute noch mit atemberaubenden kulturellen Hinterlassenschaften aus der Spätantike und der Zeit danach.
402 n.Chr. verlegte Kaiser Honorius seinen Hof nach Ravenna, was den Ort zur Hauptstadt des Weströmischen Reiches werden liess. Es waren bewegte Zeiten damals und die machtpolitischen Konstellationen äusserst verschwommen und verwoben. Dies zeigt sich exemplarisch am Curriculum Vitae von Honorius’ Halbschwester Galla Placidia. Sie war 410 von den Westgoten entführt worden, wurde danach aber die Ehefrau von deren Anführer Athaulf und damit westgotische Königin. Nach Athaulfs Tod kehrte sie 416 ins Weströmische Reich zurück, wo sie 423 im Zuge des Ablebens ihres Bruders Honorius, dessen Kaisertitel beerbte. Dieser aussergewöhnlichen Frau mit ihrer besonderen Lebensgeschichte ist eines der bedeutendsten Bauwerke in Ravenna gewidmet: Das Mausoleum der Galla Placidia. Erbaut zwischen 425 und 430 beeindruckt die Grabkammer insbesondere mit ihren dunklen und doch leuchtenden Mosaiken und den die Mystik verstärkenden Fenstern aus Alabaster. Das Bauwerk wurde 1996 zum Weltkulturerbe der UNESCO ebenso wie die neben dem Mausoleum gelegene, aber später errichtete Basilica di San Vitale. Auch deren Mosaike bieten ein grossartiges visuelles Erlebnis.
Wer Ravenna besucht, wird erstaunt sein, wie nahe beieinander die Sehenswürdigkeiten liegen. Nur rund zehn Gehminuten von der Basilica di San Vitale entfernt befinden sich die Kathedrale von Ravenna mit ihrem Baptisterium (Battistero Neoniano) und im Erzbischöflichen Palast dahinter die Kapelle Sant’Andrea. Auch diese Bauwerke stammen aus dem 4. und 5. Jahrhundert … und auch sie – nicht wirklich überraschend – zeichnen sich durch wunderschöne Mosaike aus. Die Mosaiktechnik hatte in der Spätantike eine neue Blütezeit erlebt. Dies, weil sich das frühe Christentum von heidnischen Kunstformen in dieser Zeit wie den Freskos abgrenzen wollte. Die Mosaikkunst überlebte so auch den Untergang des Weströmischen Reiches. Dies zeigen die per Zufall vor dreissig Jahren anlässlich des Aushubs für eine Tiefgarage entdeckten Mosaike im Domus die Tappeti di Pietra, die aus dem 6. Jahrhundert stammen sowie diejenigen in der Basilikalkirche Sant’ Appollinare Nuovo. Der König der Ostgoten, Theoderich, liess diese Kirche Ende des 5. Jahrhunderts/Anfang 6. Jahrhundert erbauen. Die Ostgoten hatten zuvor das weströmische Reich übernommen und dessen Ende besiegelt, Ravenna allerdings als Hauptstadt behalten. Ein Mosaik in der Sant’ Appollinare Nuovo, zeigt die Adria vor den Toren der Stadt. Heute liegt Ravenna neun Kilometer landeinwärts und ist nur noch über den Canale Candiano mit dem Meer verbunden. Der Grundwasserpegel in der Stadt ist allerdings nach wie vor hoch, wie die unter der Basilica San Francesco ausgegrabenen Mosaike zeigen. Erstaunlich schlicht (ohne Mosaike) präsentiert sich das Mausoleum von Theoderich.
Ein paar Jahrhunderte später bewegt eine andere Persönlichkeit die Gemüter in Ravenna. Der aus politischen Gründen aus Florenz verbannte Dante Alighieri fand 1318 Zuflucht in Ravenna und hielt sich bis zu seinem Tod 1321 hier auf. Dante ist in Ravenna auch heute noch allgegenwärtig. Das Casa und das Museo Dante gehören ebenso zu einem Ravenna-Besuchsprogramm wie die Grabstätte des wohl berühmtesten italienischen Dichters.
Auf unserer Rückreise in die Toskana machen wir Halt in San Marino. Der Kleinstaat gilt als die älteste noch bestehende Republik der Welt. Die Città di San Marino liegt auf dem Monte Titano – einmalige Rundsichten in Richtung Adria und des Apennins sind garantiert. Nur die Wagemutigen auf den Slacklines hoch über der Stadt beeindrucken noch mehr.




































